Schwertarbeit

Dieser Text wurde von Barbara Backhaus geschrieben und erschien erstmals im Facilitating Magazine #4, Dezember 2023

Warum Schwertarbeit?

Das Bild des Schwertes wird häufig mit Vorstellungen mittelalterlicher Ritter assoziiert – manchmal europäisch in metallenen Rüstungen, manchmal japanisch, als imposanten Samurai. Männlichen Gestalten also, die – gut ge-rüstet – unterschiedliche Kampfsituationen zu meistern fähig sind. Innerlich gut gerüstet – in den herausfordernde Situationen des Alltags zu bestehen und damit in adäquater Weise «seinenMann/seine Frau» zu stehen ist auch in heutigen Zeiten eine wünschenswerte Qualität.

Wirkung und Methodik

Schwertarbeit ruft in durchaus spielerischer Weise in den Menschen Kräfte wach, die im komplexen Alltag helfen, den Kurs nicht zu verlieren: gebündelte Kraft, Klarheit, Konzentration auf das Wesentliche, Standfestigkeit, Ruhe und Gelassenheit, Würde, Aufrichtigkeit, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Mut.

In der Schwertarbeit arbeiten wir mit Schwertern aus Holz und kombiniert mit Elementen aus der Körperarbeit. Methodisch wird dies erreicht durch eine geschulte Aufmerksamkeit für den eigenen Körper in Ruhe und Bewegung in Bezug auf:

  • Standsicherheit
  • die Zentrierung im Körperschwerpunkt
  • eine würdevoll aufgerichtete Körperhaltung
  • einen ruhigen Atem-Rhythmus
  • eine klare Schwertführung in unterschiedlichen Bewegungsgesten
  • eine wache und aufmerksame Geisteshaltung

Alle diese Aspekte werden in praktischen Übungen mit den Teilnehmenden erarbeitet und im Sinne eines Selbstwirksamkeitserlebens geübt.

Das Thema der Selbstwirksamkeit

Menschen haben die wunderbare Fähigkeit, in sich selbst wirksam zu werden. Das bedeutet, dass sie durch das aufmerksame Richten ihres Bewusstseins auf ihren Körper und ihre inneren gedanklichen und gefühlsmässigen Vorgänge ihre köperlich-seelische Verfassung beeinflussen können.

Als Beispiel: «Ich spüre mich selbstsicherer, das heisst in mir selbst sicherer, wenn ich mich aufmerksam und bewusst in meinen Füßen, meinen Beinen und meinem Becken als Körperbasis spüren kann, mich dort niederlassen kann und aus dieser Ruhe heraus handeln und mit anderen Menschen kommunizieren kann.»

Ein Mangel an Selbstsicherheit ist in den Bewegungen, die ein Mensch mit dem Schwert in Händen ausführt, spürbar und sichtbar und kann sich im Rahmen der Arbeit an sich selbst zum Positiven verändern.

Interaktive Partnerübungen

Ein Schwerpunkt der Schwertarbeit sind die interaktiven Partnerübungen. In diesen Übungen können die Teilnehmenden Erfahrungen sammeln und lernen, sich mit dem Schwert als symbolisches und konkretes Hilfsmittel abzugrenzen und zu schützen. Eine innere Einstellung, die in konfliktreichen Situationen hilfreich ist (z.B.: «Ich traue mich!», Widerpart geben, Nein sagen oder Verantwortung an Mitarbeitende delegieren), kann in Schwertübungen mit Partner ausprobiert und eingeübt werden.

Angriffsqualitäten (z.B.: «etwas in Angriff nehmen», Initiative ergreifen oder selbstbestimmtes Gestalten) sowie Verteidigungsmethoden (z.B.: adäquat reagieren und sich auf die Führung eines anderen einlassen) werden erfahrbar und können thematisch bearbeitet werden. 

Vertrauen in die eigenen Kräfte zu bekommen und sie angemessen anzuwenden, ist ein wiederkehrendes Thema in der Schwertarbeit. Die Schwertarbeit zielt auf die Erarbeitung einer Grundverfassung von Ruhe und Gelassenheit, von emotionaler Stabilität und Offenheit sowie von mentaler Präsenz und Klarheit, aus der heraus ein freies und selbstbestimmtes Handeln in der Welt wird. Die archetypische Gestalt des «guten Ritters», dem das volle Potenzial seiner Kräfte und Möglichkeiten zur Gestaltung seines Lebens und seiner Beziehungen zur Verfügung stehen, wird erlebbar.

Facilitating Magazine

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