«Presencing» – Teil 6

29. Jun 2021 | Methoden im Facilitating, Wissen

Themenreise «Presencing» – Kairos oder der rechte Augenblick

„Es gibt eine Zeit (chronos), in der kairos ist, und es gibt den kairos, in dem (nur) wenig Zeit ist; die Heiltung jedoch braucht Zeit und jedes Mal auch den kairos.»


Dies ist der vorläufig letzte Teil der Presencing-Reise. Dies bedeutet nicht, dass das Thema erschöpfend behandelt wurde 😉. Ich möchte an dieser Stelle jedoch einen Halt einlegen. Mehr bringt nicht mehr, und die zahlreichen Feedbacks zu dieser Reise unterstützen mich in dem Entscheid. An dieser Stelle auch ganz herzlichen Dank für die wertschätzenden Rückmeldungen. Das Gelesene sollte auch verdaut werden und auch den Rhythmus der Informationen möchte ich überdenken.



Kairos ist der schicksalsträchtigen, geschenkten Moment, den es gilt wahrzunehmen. In diesen «heiligen» Momenten öffnet sich unsere Wahrnehmung für subtile Informationen – «Trigger», Resonanzphänomene –, die uns auf das Neue hinweisen (1,2). C.G. Jung beschreibt dies auch als «Synchronizität», d.h. Informationen (ich erinnere an das «Gespensterfeld» von Einstein) sind immer und überall vorhanden. Uns hindert (nur) unsere eingschränkte Wahrnehmung, dies zu sehen, zu fühlen und zu spüren. Die eigene Wahrnehmung zu öffnen und dieses unablässige «Sich-Ereignen» wieder mitzubekommen, wurde «kairos» genannt. Dazu auch eine Stimme aus neuerer Zeit:

«In der nichtmanifesten Ordnung ist alles eins. Da gibt es keine Trennung in Raum und Zeit. Das gilt für die gewöhnliche Materie und sogar noch mehr für die subtile Materie, die Bewusstsein ist. Wenn wir vom Ganzen getrennt sind, dann deswegen, weil wir weitgehend an der manifesten Weil als der grundlegenden Wirklichkeit festhalten, und das wesentliche der materiellen Welt besteht ja darin, separate Einheiten wirklich zu haben, die dann natürlich wech­selseitig aufeinander einwirken und so weiter. In der nichtmanifesten Wirklichkeit durch­dringt sich alles gegenseitig, hängt alles miteinander zusammen. Deshalb sagen wir auch, das Bewusstsein der Menschheit ganz in der Tiefe ist eins. Das ist, sagen wir, eine Gewissheit, weil selbst die Materie im leeren Raum eins ist. Wir sehen das deshalb nicht, weil wir uns selbst dafür blind machen.» David Bohm (3)
Und damit kommen zurück zu Otto Scharmer und dem «Blinden Fleck» in der Führung. Scharmer «übersetzt» die o.g. (und andere Quellen) Erkenntnisse in die Management-Welt und empfiehlt z.B. in der Theorie U als Ausgangspunkt zur Öffnung der Wahrnehmung (des Bewusstseins) eine Verlangsamung der Aufmerksamkeit und unterscheidet am Beispiel des Hinhörens:
  • Hinhören 1: Abspulen oder Runterladen «Ja, ja, das weiß ich schon.» Diese Form des Zuhörens ist ein «Runterladen» von bereits bestehenden Urteilen. Alles, was pas siert, bestätigt bereits bestehende Erwartungen.
  • Hinhören 2: Faktisch «Oh, schau dir das an!» Diese Art des Zuhörens ist rein faktisch oder konzentriert sich auf die Wahrnehmung der Fakten. Das Zuhören fokussiert sich auf neue oder widersprechende Daten. Die innere Stimme des Urteilens ist ausgeschaltet, und das Zuhören konzentriert sich auf das, was von dem abweicht, was man schon weiß. Faktisches Hinhören ist der Modus guter Wissenschaft. Die Fakten sprechen.
  • Hinhören 3: Empathisch «Oh, ja! Ich weiss genau, wie du dich fühlst.» Diese tiefere Ebene des Hinhörens ist das empathische Hinhören. In einem Dialog beginnen die GesprächsteilnehmerInnen von einem anderen Ort aus hinzuhören.
  • Hinhören 4: Schöpferisch «Ich nehme den Gesamtzusammenhang und eine sich abzeichnende Zukunftsmöglichkeit wahr.» Diese Art des Hinhörens geht über das Gegenwärtige heraus und verbindet sich mit dem Bereich des In-die Welt-Kommens und Werdens. (4)
Um die uns so vertraute Weise, unseren «blinden» Fleck zu überwinden braucht es Übung, Begleitung und eine Gruppe «Gleichgesinnter», die uns in unserem Vorhaben, die vertrauten, eingefahrenen und auch hirnbiologisch manifestierten Haltung zu überwinden, unterstützen. Das ist der Hintergrund, der in der agilen Arbeitswelt geforderten «Haltungsänderung», die fest mit Persönlichkeitsentwicklung (was durchaus als Synonym für Bewusstseinsentwicklung verstanden werden kann) gekoppelt ist.

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Literaturhinweise:

(1) Berner-Hürbin, Annie: Psyche, Energie, Ekstase, Huber-Verlag, 2009
(2) Berner-Hürbin, Annie: Eros – Die subtile Energie, Schwabe & Co AG, 1989
(3) Bohm, David: Die implizite Ordnung – Grundlagen eines dynamischen Holismus. Dianus-Trikont, 1987
(4) Scharmer, Otto; Käufer, Katrin: Führung vor der leeren Leinwand – Presencing als soziale Technik. OrganisationsEntwicklung Nr. 2 | 2008

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