«Presencing» – Teil 5

15. Jun 2021 | Wissen

Themenreise «Presencing» –  «Feldarbeit»

«Der Erfolg einer Intervention hängt von der inneren Verfasstheit des Intervenierenden ab.» Bill O’Brian


In den letzten Teilen der Themenreise haben wir das unfassbar zu denkende «Feld der Potentialitäten» vorgestellt (Einsteins «Geisterfeld»). In der Organsiationsentwicklung arbeiten wir in der Feldarbeit nach Arny Mindell mit diesem Feld. Dieses Feld hat im Verständnis des Facilitating keine räumliche Begrenzung. Ein nicht-lokales Feld kann z.B. auch eine Idee oder eine Geisteshaltung sein. Wer nun als «Aussenstehende», als «Dritter», als «Facilitatorin» in solch ein Feld eintritt, wird zwangsläufig auch ein Element in diesem Feld. Bereits sein/ihr Sein in diesem Feld bringt etwas vorher nicht Dagewesenes, d. h. eine Veränderung, in dieses Feld. Je nachdem, wie er in dieses Feld eintritt und dort agiert, reorganisiert sich das Feld um ihn so, dass es sich in einen gleichen Zustand wie vor seinem Eintritt einzupendeln sucht, oder sein Auftauchen bringt einen neuen, anderen Prozess in Gang.

Im Ansatz des Facilitating gibt es – wie auch im Konstruktivismus und in der neueren Physik – keinen aussen vor bleibenden Beobachter. Nochmals das oben genannte Zitat von Bill O’Brian:

«Der Erfolg einer Intervention hängt von der inneren Verfasstheit des Intervenierenden ab.» 

Wer mit den Vorgängen im Feld wirksam umgehen möchte, kommt nicht darum herum, einerseits seine eigene Person zu anzuschauen (Persönlichkeitsentwicklung) und andererseits auch zu üben, die im Feld wirksame Kräfte zu erkennen und in ihrer Funktion verstehen, um sie für den Arbeitsprozess fruchtbar zu machen.

Zu diesen in jedem Feld vorhandenen Faktoren und Wirkkräften gehören nach dem Modell der Prozessarbeit
•    Polaritäten und die daraus resultierenden Rollen
•    Rollenrotation, d. h. das Potential und die Fähigkeit zum Wechsel der Rollen
•    Selbstorganisation, d. h. die Fähigkeit zur Eigensteuerung und zum Ausgleichshandeln.

Im Organisationskontext kann man den Feldgedanken auf viele Situationen übertragen, bei denen Gruppen eine Rolle spielen. Beipielsweise in Sitzungen und jeder Art von Gremienarbeit. Aus der Prozessarbeit Mindells hat Facilitating das Postulat übernommen, dass das Verhalten der beteiligten Personen massgeblich von den Feldkräften beeinflusst ist, ohne dass die Beteiligten sich dessen bewusst wären.
Ein Beispiel: Stell Dir vor, Du bist begeistert von dem neuen Projekt «Selbstorganisation». Doch jetzt kommt eine Kollegin, die noch begeisterter ist und dies auch zum Ausdruck bringt. Die Chance ist gross, dass Du beginnst, Ihre Begeisterung zu relativieren – im Sinne von: »Ja, eine gute Idee, aber so umwerfend ist sie auch nicht, wie die andere das jetzt sieht«. Das bedeutet, Du veränderst Deine Position im Feld relativ zu den anderen fortlaufend.
Das Interessante an diesem Ansatz ist weniger die allgemeine Postulierung von Feldkräften, sondern die Konsequenzen, die diese Betrachtung für den Umgang mit zwischenmenschlichen Spannungsfeldern hat. Konfliktartige Situationen sind in diesem Sinne nicht als lästiges, mühsames Problem zu sehen, sondern als Ausgangspunkt einer Entwicklung, die in diesem Feld geschehen möchte. Diese Betrachtungsweise erhöht die Optionen, wie mit der Situation umgegangen werden kann, und lenkt die Energie auf die Zukunft.

Für Führungspersonen bedeutet dies: Wenn Du lernst, die Feldkräfte bewusst wahrzunehmen und Dich nicht unbewusst auszuliefern, dann kannst Du Dich und Deine Organisation dabei unterstützen, sich aus einer Blockade positiv weiterzuentwickeln.

 

Weitere Informationen und die Möglichkeit Feldarbeit zu lernen und zu üben findest Du hier: https://www.kreativeloesungswege.ch/trainings/

 

Literaturhinweise:

  • Bauer-Mehren, Renata & Köstler, Anja: Der Konflikt weiss alles besser!, 2012
  • Berner-Hürbin, Annie: Psyche – Energie -Ekstase – Sokratische Psychotherapie und aktuelle Bewusstseinsforschung, 2009
  • Brecht, Simone & Fink-Kessler, Andrea: Deep Democracy – ein Feldasatz für tiefgreifende Transformation, 2016
  • Fröhlich, Caspar: Deep Democracy in der Organisation, 2016
  • Mindell, Arnold: The leaders as martial artist, 1992
  • Schlehuber, Elke & Mohlzahn, Rainer: Die heiligen Kühe und die Wölfe des Wandels, 2017
  • Schupbach, Max: Worldwork—ein multidimensionales Change Management Modell, 2007

 

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