Seminar am 10. und 11. Oktober 2022
Centre Löwenberg, Murten /Schweiz

Langsam ist das Neue Schnell

Unsere natürliche Art zu denken ist das schnelle Denken, wie es Bestseller- Autor Daniel Kahneman nennt – also das intuitive Erfassen und Entscheiden. Doch das ist gerade in unserer dynamischen Welt gar nicht so Erfolg versprechend. Hier kommt, wer bewusst langsam denkt, oft sehr viel schneller zum Ziel.

Alle Menschen denken schnell. Aus guten Gründen ist dies der Standardmodus unserer Wahrnehmung: Zum einen sind intuitive Entscheidungen, die Bestseller-Autor Daniel Kahneman als «schnelles Denken» definiert, sehr effizient. Denn die intuitive Wahrnehmung, auf der schnelles Denken basiert, arbeitet äusserst selektiv und kommt mit wenigen Daten aus. Zum anderen funktioniert dies im Regelfall auch absolut fehlerfrei: Weil wir längst wissen, worauf es ankommt, reichen Teilinformationen, um uns ein solides Bild einer Situation zu machen.
Derzeit ist dieser Denkmodus zudem besonders verlockend. Passt er doch scheinbar perfekt in eine Welt, in der alles immer schneller gehen muss: Angesichts der vielen hochdynamischen Entwicklungen müssen wir schließlich immer schneller reagieren und rascher entscheiden. Für sorgsam abwägende und objektiv fundierte Überlegungen bleibt da kaum noch Zeit. Doch das ist ein gefährlicher Trugschluss. Ausgerechnet unter VUKA-Bedingungen nämlich funktionieren unsere intuitiven Selektionsfilter, die das schnelle Denken so erfolgreich machen, nicht. Jenseits von Routinevorgängen und vertrauten, stabilen Situationen führt die Intuition sogar ziemlich sicher zu Fehleinschätzungen und anderen unerwünschten Effekten, wie der Psychologe und Verhaltensökonom Kahneman nachgewiesen hat.

Den vollständigen Artikel kannst Du hier herunterladen.

Checklisten für SCHNELLES und LANGSAMES DENKEN

Checkliste für schnelles Denken

Laut Kahneman ist Intuition dann ein guter Ratgeber, wenn sie bewusst eingesetzt wird. Das bedeutet, wir sollten uns bewusst machen, dass wir immer automatisch schnell denken, und dann überprüfen, ob unsere schnellen Schlüsse dem aktuellen Entscheidungsbedarf angemessen sind.

  • Befinden wir uns in einer stabilen, vertrauten Situation? Die besten Ergebnisse liefert schnelles Denken unter absoluter Routine.
  • Können wir auf unzählige Erfahrungswerte aus ähnlichen Situationen zurückgreifen? Denn gute Intuition basiert auf Übung.
  • Agieren wir alleine oder – falls wir in einer Gruppe entscheiden – sind für alle anderen ebenfalls die ersten beiden Bedingungen erfüllt? Denn schnelles Denken funktioniert nur, wenn wir die gleichen, verlässlichen Denkfilter haben.

Nur wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind, ist Intuition gleichbedeutend mit unbewusster Kompetenz. Ist nur einer der drei Punkte nicht erfüllt, besteht die Gefahr unbewusster Inkompetenz mit entsprechend negativen Kompetenzen.

Checkliste für langsames Denken

Leider ist es oft gar nicht einfach, zu Beginn eines konkreten Anwendungsfalls die drei obigen Punkte zutreffend einzuschätzen. Denn auch dabei agieren wir intuitiv – und übersehen die eigenen blinden Flecken und neigen z.B. dazu, unsere Stärken zu überschätzen.

Dann hilft es, die folgenden drei Fragen – sozusagen als Gegenprobe – sorgsam zu überdenken:

  • Ist die vorliegende Situation vielleicht nur scheinbar bekannt? Denn in einer komplexen Welt sind die Dinge oft anders, als sie auf den ersten Blick erscheinen.
  • Sind wir wirklich so erfahren, wie wir glauben? Echte Meisterschaft ist eher selten.
  • Schließen wir unbewusst von uns auf andere? Nur weil mir eine Situation bekannt ist, muss dies noch lange nicht für die anderen Beteiligten gelten.

Werden die Fragen ehrlich beantwortet, lassen sich Fehlannahmen oder andere unerwünschte Ergebnisse des schnellen Denkens leicht vermeiden, und es wird schnell deutlich, wann es angebracht ist, gerade auch unter dem üblichen Zeit- und Handlungsdruck das Tempo zu drosseln.

Was erwartet mich in den zwei Tagen?

Im ersten Teil des Seminars

  • erproben wir die Methode «Decision Hats» (Entscheidungshüte), um zu ergründen, welche sechs Rollen jeder Entscheidungsprozess braucht – und wie diese Rollen sinnvoll verteilt werden können.
  • Die daraus folgenden Erkenntnisse sind verblüffend rasch erzielt und äusserst wertvoll für die Organisation jedes Entscheidungsprojekts oder -prozesses.

Im zweiten Teil des Workshops lernen wir,

  • wie Entscheidungsbedarfe systematisch durchdacht und für alle Beteiligten auf den Punkt gebracht werden.
  • Dafür verwenden wir u.a. die Methode «Decision Canvas» (Entscheidungsleinwand). Diese hilft, die wahren Erfolgskriterien konkreter Entscheidungsprojekte zu ermitteln und zwischen den Beteiligten zu vereinbaren.

Beide Teile sind abwechslungsreich gestaltet als Abfolge von kurzen, unterhaltsamen Impulsvorträgen, individuellen Übungen und Arbeit in Kleingruppen. Dabei erproben wir die genannten Methoden «in echt», anhand von Beispielen aus der Erfahrungswelt der Teilnehmenden.

Das Seminar lebt von der Unterschiedlichkeit der Teilnehmenden. So nehmen wir das Thema «Over the Fence» auch in diesem Sinne wahr, dass diese aus unterschiedlichsten Arbeitswelten kommen. Networking und Erfahrungsaustausch ist also auch angesagt laughing.

Zu den Referent*innen

 Karen Schmidt & Frank Habermann

Karen Schmidt ist Beraterin und Coach für Menschen, die ihre Organisation voranbringen wollen und nicht an Patentrezepte dafür glauben. Sie hilft Führungskräften und Teams, neuartige Vorhaben zu gestalten, geeignete Managementansätze zu finden und wirkungsvolle Kommunikationspraktiken zu entwickeln.
Dabei entmystifiziert sie Managementtrends und kombiniert klassische wie innovative Methoden für A (wie Agilität) bis Z (wie zeitgemäße Führung). Seit 2010 begleitet Karen Schmidt ambitionierte «Macher und Gestalter» und entwickelt leichtgewichtige Denkwerkzeuge, die in die Tiefe gehen.

Frank Habermann ist Professor für Betriebswirtschaftslehre und Experte für Projekt- und Transformationsmanagement. In seinen Seminaren und Keynotes setzt er auf unterhaltsame Weise nachhallende Denkimpulse. Hierbei schlägt er die Brücke zwischen Theorie und Praxis, Moderne und Tradition – und vermittelt so nachhaltig wirksame Managementinstrumente jenseits aller Hypes und Buzzwords. Frank Habermann hat am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz promoviert und über zehn Jahre internationale Managementerfahrungen auf Geschäftsleitungsebene.

Barbara Backhaus

Barbara Backhaus ist Facilitatorin, Organisationsentwicklerin, Körperpsychotherapeutin und Dozentin. Seit 2010 ist sie mit den Kreativen Lösungswegen Bern als Coach, Trainerin, Dozentin und Facilitatorin unterwegs. Kreativelösungswege Bern ist Netzwerkpartner der School of Facilitating, Berlin. Sie begleitet Menschen und Organisationen in Veränderungsprozessen und ermächtigt sie zum selbständigen Gestalten von Arbeitsumgebungen.
Barbara Backhaus liebt Übergänge. Dort wo das Alte dem Ende entgegen geht und das Neue erst als Ahnung spürbar wird fühlt sie sich wohl. Als Managerin im Gesundheitswesen konnte sie lange Jahre Übergänge im beruflichen Kontext mitgestalten. Als Körperpsychetherapeutin sind ihr die Tiefen der menschlichen Transformationen gut bekannt.

Zum Zuhören: Hey, nicht so schnell

by Frank Habermann & Karen Schmidt | Podcast - 1 Buch 5 Fragen I Dez. 2020 10 Min. 12 Sek.

Was ist der Nutzen?

In diesem Seminar wollen wir gemeinsam Spass haben und dabei Neues entdecken.

Um was geht’s? Um professionelle Wahrnehmung und zeitgemäße Entscheidungsprozesse … und wie wir besser dabei werden können.

Geleitet wird das Ganze von Karen Schmidt und Frank Habermann, Gründer der Innovationsgemeinschaft «Over the Fence» (https://overthefence.com.de) und Barbara Backhaus, Geschäftsführerin der «Kreativen Lösungswege Bern» (https://www.kreativeloesungswege.ch).

In dem Seminar räumen wir mit den Managementmythen auf, die im Zusammenhang mit «Entscheidungsprozessen» bestehen. Teilnehmende erwerben Kenntnisse und Fähigkeiten, wie sie Fehlannahmen und hiderliche Denkmuster – von Mitarbeitenden wie von Führungskräften – identifizieren und überwinden können. Hierzu lernen die Teilnehmenden neuartige Methoden kennen. Die Methoden funktionieren sowohl für Entscheidungsprozesse «in der Linie» als auch für Projekte zur Entscheidungsfindung (z.B. Machbarkeitsstudien, Business Case Studien, Produktauswahlprojekte u.v.a.m.). Nach Abschluss dieses Workshops werden die Teilnehmenden in der Lage sein,

  • traditionelle, agile und hybride Entscheidungsstrukturen zu verbessern,
  • neue Entscheidungsprojekte bzw. -prozesse effektiv und effizient aufzusetzen,
  • bestehende Entscheidungsprozesse in einem Schnelltest (15min) auf den Prüfstand zu stellen,
  • die Methode «Decision Hats» in der Praxis anzuwenden (mehrere Einsatzszenarien),
  • die Methode «Decision Canvas» in der Praxis anzuwenden (mehrere Einsatzszenarien),
  • ihre Auftraggeber, Sponsoren und Mitarbeitende zu akzeptierten Entscheidungen zu führen.

Wer sollte teilnehmen?

Alle, die Entscheidungsprozesse benötigen bzw. organisieren und steuern. Dies umfasst Manager von Entscheidungsprojekten ebenso wie Führungskräfte in Organisationen, denen es wichtig ist, dass ihre Entscheidungsbedarfe in die Tat umgesetzt werden.

Der Workshop richtet sich an Führungskräfte, Facilitator*innen, Consultants, agile Coaches, Trainer und andere Interessierte, die Ihren Methodenkoffer im Bereich «Entscheidungsprozesse» erweitern wollen.

Wo findet es statt?

Centre Löwenberg

CH-3280 Muten

Was sind die Kosten?

2 Tage Seminar, Unterkunft, Verpflegung, Networking, gemeinsames Lernen und viel Spass – CHF 1’300.– all inclusive laughing


Die Ansätze von »Over the Fence« helfen Menschen, gemeinsam zu denken und autonom zu entscheiden. Der fokussierte Dialog und das Zulassen verschiedener Perspektiven fördert die Qualität individueller Entscheidungen.

Eugenio Molini

Founder GAIT – Guild of Agents for Intentional Transformation